29. Oktober 2020
Reisen wäre so schön – wenn Corona nicht wäre.

Von Traumferien zu bürokratischen Albträumen

Heute ist mein erster Arbeitstag nach zwei Wochen Ferien. Voll getankt mit Strand, Sonne und Meer marschiere ich ins Büro. Alle Mitarbeiter springen auf und bewundern meinen Teint. Ich erzähle von meinem Beinahe-Unfall auf dem Roller; wie mein Freund abspringen musste und ich die Kurve gerade noch nehmen konnte. Ich spreche vom Tauchgang durch das Wrack, von der Dunkelheit darin und den Fischschwärmen, die von der Oberfläche des Schiffs kaum zu unterscheiden waren. Meine Mitarbeiter blinzeln träge und gähnen. Davon merke ich nichts, so sehr bin ich in meine Erzählungen vertieft. Dann rede ich über Yasu. Yasu, dem Japaner, der ein Aussteigerleben auf Ko Lanta führt. Und den besten Chai-Latte mit frisch zerstossenen Gewürzen zubereitet. Meine Mitarbeiter schlafen endgültig ein. Ich schlage meine Augen auf. Es war nur ein Traum.

Wie meine Mitarbeiter im Traum ausgesehen hätten.

Aus der Traum – in Wirklichkeit arbeite ich seit zwei Wochen im Homeoffice. In Balkonien sozusagen, mit Aussicht auf einen Parkplatz. Klar, im Moment gibt es definitiv Schlimmeres. Ich bin mir aber sicher, dass viele Ferienpläne von euch ebenfalls ins Wasser gefallen sind oder noch fallen werden. Genau deshalb möchte ich euch hier kurz berichten, wie es mir mit der Rückerstattung von meinem Flug ergangen ist.

Phase 1: Resignation

Seit dem Lockdown war mir klar, dass ich nicht verreisen würde. Meinen Flug hatte ich direkt bei der Lufthansa gebucht, daher informierte ich mich laufend auf ihrer offiziellen Seite, ob eine Rückerstattung möglich ist. Dort herrschte zu Beginn ein ziemliches Wirrwarr an Informationen. Dazu kam, dass ich meinen Flug zwar bei der Lufthansa gebucht, der Flug selbst aber von der Swiss ausgeführt werden sollte. Ich wusste nicht mehr, wo ich mich überhaupt informieren muss. Swiss gehört zwar auch zur Lufthansa-Gruppe, ihre Informationen zu den Umbuchungs- und Rückerstattungsbedingungen unterschieden sich aber voneinander. Dazu kam auch noch die Schlagzeile «Swiss zahlt annullierte Flüge nicht zurück». Ich dachte, mein Geld sei verloren.

Wie ich aussehen würde, wenn ich die Rückerstattung vom Flug doch nicht bekommen würde.

Phase 2: Erleichterung

Nach zwei Wochen Ungewissheit erreichte mich die erlösende E-Mail fünf Tage vor dem Abflug: Mein Flug ist gestrichen worden. Für mich war das gut, denn mittlerweile hatte die Lufthansa-Gruppe klargestellt, dass sie die Tickets von gestrichenen Flügen zurückerstatten. Das Geld hätte ich zwar sowieso nicht verloren, denn die Lufthansa-Gruppe hatte wegen des Coronavirus flexible und kostenlose Umbuchungen eingeführt. Für mich stand aber fest, dass ich dieses Jahr nicht mehr nach Thailand fliegen werde. Hast auch du einen Flug bei der Lufthansa-Gruppe gebucht und willst keine Rückerstattung, sondern deine Reise zu einem späteren Zeitpunkt nachholen? Hier erfährst du mehr zu ihren aktuellen Umbuchungs-Bedingungen.

Meine Freudensprünge, als ich erfahren habe, dass mein Flug zurückerstattet wird.

Phase 3: Das lange Warten

Mich erreichte erneut eine E-Mail: Die Lufthansa teilte mir mit, dass ich mich bei ihrem Kundencenter melden solle. Interessanterweise gaben sie mir eine Nummer an, die 15 Rappen pro Minute kostet. Ich suchte mir die kostenfreie Nummer heraus, denn ich hatte schon von Leuten gehört, die über eine Stunde in der Warteschlaufe hingen. Ich wartete nur fünf Minuten. Und schon ertönte die Stimme eines Lufthansa-Mitarbeiters. Wie fast immer in solchen Situationen verstand ich seinen Namen nicht. Ich weiss nicht, ob das nur mir so geht. Aber oft verschlucken die Leute beim Telefonieren ihren Namen. Das Gespräch verlief ansonsten sehr angenehm. «Wenn ich meinen Flug storniere, bekomme ich dann das ganze Geld zurück?», fragte ich als erstes. «Selbstverständlich», lautete die Antwort, und damit hatte sich für mich schon alles geklärt. Er stornierte die Buchung und erklärte, dass das Geld auf das gleiche Konto zurückgebucht wird, von dem die Ticketkosten bezahlt wurden.

Das ist nun zwei Wochen her. Vom Geld weiterhin keine Spur. Normalerweise werde das Geld innerhalb von ein paar Tagen auf das Konto zurückgebucht – wegen Corona könne es aber Verzögerungen geben. Nun heisst es, Geduld und Vertrauen haben. Das Geld wird schon noch kommen…

Die Rückerstattung von meinem Flug lässt auf sich warten.

Elena Wetli

Pflanzen, gutes Essen und Japan lassen Elenas Herz höher schlagen. Sie interessiert sich aber auch für Nachhaltigkeit und liebt es, Budgets zu erstellen. Elena ist die Newsroom-Praktikantin bei Comparis.

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